Märchen im hier und jetzt. Komplex. Abstrakt. 

Das A-Z der Grimmwelt

von | Apr 12, 2022 | 0 Kommentare

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Kassel. Wir haben selten so viele auseinander gehende Meinungen gehört, wie über die Grimmwelt. Von “grandios” über “allenfalls für Schulkinder geeignet” bis hin zu “verschenkter Zeit” war alles dabei.  Diesem bunten Meinungsbild sind wir nachgegangen, um uns ein eigenes Urteil zu erlauben. 

Die Grimmwelt auf dem Weinberg

Die Grimmwelt gibt es noch gar nicht soooooo lange in Kassel, seit 2015. Ich werde sogar in unserem Freundeskreis, der gerade mal 15 km entfernt lebt, gefragt: “Wo genau ist eigentlich die Grimmwelt?” Ich sag mal so, seid ihr gerade am shoppen in der Fußgängerzone, weisen euch zahlreiche Hinweisschilder den Weg. Verlasst ihr die Obere Königsstraße am Rathaus in Blickrichtung Wilhelmshöhe, erreicht ihr das Museum nach vielleicht 3 Gehminuten. Mit ein bisschen Glück erhascht ihr sogar einen der wenigen Parkplätze vor der Tür, falls ihr mit dem Auto unterwegs seid.

Immer den Buchstaben entlang

Wusstet ihr, dass es 6 Kinder im Hause Grimm gab? Und das die Familie zunächst in Hanau Steinau an der Straße gelebt hat, bevor sie im Kindesalter der fünf Jungen und einer Tochter nach Kassel gekommen ist? Jacob und Wilhelm waren die beiden Kinder, denen das Studieren ermöglicht wurde. Und genau um diese Lebensgeschichte geht es in großen Teilen in der Grimmwelt. Wie die beiden als Märchensammler groß rausgekommen sind und das Begriffe wie “krass” oder “Pissblume” nicht aus der heutigen Zeit stammen, sondern schon längst zum Sprachgebrauch um 1840 gehörte und im Deutschen Wörterbuch von den Grimms dokumentiert wurden.

Größter Schatz des Museum sind die 5 handschriftlich kommentierten Erstausgaben ihrer Märchensammlung. Sie wurde 2005 sogar in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen. Klaro haben wir erstmal einen Blick auf diese Kostbarkeit geworfen, bevor wir selbst durch die Seiten des Grimmschen Wörterbuchs gewandelt sind. Es ist schier unmöglich, sich durch alle Begriffe zu fräsen, aber jeder für sich hat so den einen oder anderen Begriff zum Schmunzeln gefunden. Große Leuchtbuchstaben des Alphabets weisen uns den Weg durch die Grimmwlet, gespickt mit Überschriften des Deutschen Wörterbuchs der Grimms.

Schimpfwort-Battle

Wer kann es mit einer Schimpfwortmaschine aufnehmen? Na klar, wir können! Wir flüstern ein “Dummkopf” und ernten eine “Pissblume”. Oha, in der Tat wussten die Brüder Grimm, wie man seinen Gegenüber beleidigt. Es folgt ein Battle von “Idiot” zu “Dicksack”, von “Arschkriecher” zu “Hornochse”. Wir haben sogar ein neues Wort kennengelernt, was mir sehr gut gefällt und in unserem Familienwortschatz aufgenommen wird: “Gießkannenscheißer”. 

Kinder- und Hausmärchen entlang der Dornenhecke

Wir verlassen den sprachlichen Teil der Ausstellung durch die Dornenhecke, die schon ahnen lässt: ab hier wird’s abstrakt. Jedes Wildschwein sehnt sich wohl nach solch einer besonderen Hecke, um seine Borsten zu kratzen. 

Über die Kugellautsprecher im Style der 70iger lockt uns sanftes Vogelgezwitscher, zwischen den abstrakten Büschen hin und her zu wandeln. Ab und an taucht eine Kröte auf dem Boden auf. Genau so schnell wie sie aus dem Nichts erscheint, verschwindet sie auch wieder dorthin.

“He du, komm mal her, ich will dir was erzählen.”

Zwischen den grünen Stelen warten gleich mehrere Überraschungen auf die Besucher. Gerade war da noch nichts, erscheinen plötzlich merkwürdige Gestalten: “Frag mich was.” Mal ganz ehrlich – was würdest du diesen Gestalten erzählen, wenn sie plötzlich in einem Wald vor dir auftauchen? Vor allem, sind da auf einmal ganz Viele, Einer kurioser als der Andere…

Wer schon immer davon geträumt hat, das Schneewittchen zu sein und mit den 7 Zwergen an einem Tisch zu debattieren, kann mit diesen putzeligen Gnomen in Interaktion gehen. Ein Spaß insbesondere Faszination: “Wie kann das funktionieren?”  

Beim nächsten Märchen war direkt klar was zu tun ist. Nimmt man auf dem kleinen Holzschemel am Bett der Großmutter platz, dauert es nur einen Augenblick, bis der böse Wolf auf dem Kissen erscheint, auf dem gerade noch die Oma ihren Kopf gebettet hatte. Bei dieser dusteren Atmosphäre wollte unsere Vierjährige allerdings lieber auf Abstand gehen.  

Knusper, Knusper, Knäuschen

Von außen hat das Hexenhaus aus Kinderaugen gesehen, wenig märchenhaftes zu bieten. Weiße, kahle Wände und Fenster, durch die man nicht mal durchblinzeln kann. Betritt man das Haus allerdings, findet man die gerade noch vermissten Leckereien in den schönsten Ausführungen. Da wurde wahrlich nicht an Zuckerguss und Sahnehäubchen gespart.

Die Welt der Brüder Grimm

Der letzte Teil der Ausstellung befasst sich mit der Lebensgeschichte der Brüder Grimm. Mit gesammelten Ausstellungsstücken wie Briefen, Fotos und Selbstbiografien, sogar Gegenständen aus dem persönlichen Familienbesitz. In diesem Teil gibt es aber nicht nur die Suppenteller aus der Grimm Küche zu entdecken, sondern auch eine ganz besondere Wandinstallation, eine gedeckte Tischtafel mit modernen Märchenmotiven.

Panoramablick bis zur Aue 

Alleine das neu erbaute Gebäude der Grimmwelt ist ein Kunstwerk für sich. Sowohl von der großen Terrassen auf dem Dach der Grimmwelt, als auch aus der riesigen Fensterfront im Foyer hat man einen fantastischen Weitblick. Den Ausdruck “Kasseler Berge” habt ihr vielleicht schon mal gehört. Von der Grimmwelt habt ihr einen super Blick hierauf.

Unser Fazit:

Hat man einen Zugang zu unserer Sprache, dem geschriebenen Wort und den alten Hausmärchen der Brüder Grimm, wird einem der kurzweilige Rundweg durch die Grimmwelt, wie uns, sehr gefallen. Ein zentraler Teil der Ausstellung erzählt die Geschichte der Brüder, als Gestalter des Wörterbuchs. Für unsere Kids in diesem Teil nur interessant: das Duell mit der Grimmschen Schimpfwortmaschine.

Bei den modern, multimedial dargestellten Märchen haben wir Bausteine gestaunt. Es muss Zauber gewesen sein, sich selbst mit anderen kuriosen Menschen im geheimnisvollen Spiegel der zweitschönsten Königin zu sehen oder gemeinsam am langen Holztisch mit sieben Zwergen zu speisen. Wir hatten jedenfalls großen Spaß an den frechen Kommentaren der Darsteller aus der digitalen Märchenwelt und kommen sicher noch einmal zu Besuch und lassen uns von der Märchenerzählerin mit in die Welt der vielen Abenteuer verzaubern.

Wohin des Weges?

Grimmwelt Kassel
Weinbergstraße 21
D-34117 Kassel
www.grimmwelt.de
Telefon +49 561/5986190

Haltestellen in der Nähe
– Rathaus (7 Gehminuten)

Angaben ohne Gewähr
Stand: März 2022

Einlass Erbeten?

Öffnungszeiten
Mo geschlossen
Di-Do | 10-17 Uhr
FR | 10-20 Uhr
Sa-So, Feiertag |10-18 Uhr

Tagesticket
Kinder ab 6 Jahre 11 EUR
Erwachsene 7 EUR
Familien 25 EUR

Gut zu Wissen!

Zeit einplanen
2 Stunden

Altersempfehlung
ab 8 Jahre bis 99

Mein persönlicher Tipp
Nicht nur in die Grimmwelt gehen. Unbedingt auf’s Dach steigen und den Weitblick über Kassel schweifen lassen.

WIR LIEBEN ES, DIE WELT MIT KINDERAUGEN ZU SEHEN.


[ZEILENKAUZ]
BusinessMom | Journalist | kreativerKopf | Nachteule

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